Tinka Uphoff

Als ich 2010 anfing in der Leistungsgruppe von Spiridon Frankfurt zu trainieren, wollte ich nur eines: Marathon laufen. Dieses Ziel verfolgte ich mit einigem Ehrgeiz. So konnten mich weder Stürze beim Lauf-ABC noch der Muskelkater, den ich nach jedem Training in der Leistungsgruppe, das einmal wöchentlich stattfindet, hatte und der meistens am zweiten Tag danach am Schlimmsten war, von meinem Weg zu den 42,195 km abbringen. Bis 2011 bin ich insgesamt dreimal Marathon gelaufen, hatte jedoch noch keinen Gedanken darauf verwendet, mein Training mal richtig zu strukturieren. Nach einem Jahr in der Leistungsgruppe wurde dann aber der Muskelkater besser und ich konnte sogar am Tag nach dem Bahntraining laufen gehen – etwas, das vorher nicht wirklich möglich war. Da lag es nahe, endlich mal nach Plan zu trainieren. Ein Hinweis, den mir zuvor bereits mein Trainer Kurt Stenzel und Dennis Gutenstein, der ebenfalls in der Leistungsgruppe von Spiridon Frankfurt trainiert, gegeben hatten.

Also versuchte ich es – und es klappte. Mein großes Ziel, Marathon zu laufen, hatte ich dabei zunächst aufgegeben, um mich ausschließlich auf die Verbesserung meiner Grundschnelligkeit konzentrieren zu können. Meine Zeit über 10 km verbesserte sich zusehends und auch meine Laufhaltung wurde immer besser. Das strukturierte Training macht mir nach wie vor großen Spaß, obwohl es manchmal anstrengend ist, nach einem langen Tag noch die Laufschuhe zu schnüren. Aber das Training ist der ideale Ausgleich dafür, dass ich den ganzen Tag „nur“ mit dem Kopf arbeite. Und der Ehrgeiz ist immer noch da – auch wenn das Ziel in der Zwischenzeit gewechselt hat.

Nachdem ich meine Verletzung in diesem Frühjahr auskuriert hatte, konnte ich nach langen zwei Monaten endlich wieder laufen gehen. Fortschritte sind nach wie vor zu verzeichnen und die „Sitzhaltung“, die ich von meinem Arbeitsalltag auf das Laufen übertragen hatte, ist mittlerweile weitgehend verschwunden. So kann man auf den Fotos, die Ulrich Scherbaum von mir gemacht hat, doch tatsächlich deutlich erkennen, dass ich laufe – und nicht sitze.

Auch wenn ich durch meine Verletzung einiges an Trainingszeit verloren hatte, freute ich mich umso mehr darüber, dass ich wieder trainieren und ein Hauptziel für dieses Jahr in Angriff nehmen konnte: die Deutsche Meisterschaft im 10 km Straßenlauf in Nagold. Leider verlief der Wettkampf nicht wie geplant. Bereits ab dem zweiten Kilometer hatte ich Probleme mit der hinteren Oberschenkelmuskulatur. Daher fiel ich immer weiter zurück und landete schließlich auf dem 21. Platz mit 36:46 Minuten.

Frustriert darüber, dass ich meine Leistung, nicht abrufen konnte, entschied ich mich, die Hessischen Meisterschaften im Halbmarathon in Offenbach zu laufen. Ich sicherte mir den Titel in 1:17:22 h. Motiviert von diesem Lauf hatte ich einige Pläne, wie das Training im November und Dezember weiter gehen sollte. Ich wollte vor allem an Crossläufen teilnehmen und an der Winterlaufserie in Jügesheim. Es kam aber anders: Beim Auftakt der Winterlaufserie in Jügesheim war ich noch dabei und konnte den Lauf gewinnen. Ein Fahrradsturz auf dem Rückweg von dort verhinderte jedoch vorerst die Teilnahme an Crossläufen sowie das Training überhaupt. Es war „nur“ der kleine Finger der rechten Hand gebrochen und ich hörte mehrfach, dass man den zum Laufen ja gar nicht braucht… Der Bruch war aber kompliziert, musste operiert werden und das Laufen war für zwei Wochen ein zu großes Risiko. Ich hörte auf den Rat der Ärzte und änderte meine Pläne. Eine Saisonpause hatte auch was und ich konnte in dieser Zeit all die Sachen machen, für die ich sonst zu wenig Zeit habe. Beim zweiten Lauf der Winterlaufserie war ich wieder dabei, wenn auch nur langsam und noch mit Gips. Mein nächstes Ziel habe ich aber bereits vor Augen: Der Silvesterlauf in Trier, auf den ich mich sehr freue. Daher heißt es jetzt: Die verbliebene Zeit nutzen und so gut wie möglich trainieren!

Ein Rückblick auf 2012 zeigt, dass Einiges anders kam, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich konnte meine Zeiten aber halten, sodass ich denke, dass es allen Grund gibt, dennoch zufrieden zu sein. Meine Konzentration wird weiterhin zunächst noch auf der Verbesserung meiner Grundschnelligkeit liegen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass mich der Marathonlauf weiterhin fasziniert. Vielleicht bin ich 2013 schon so weit, dass ich mir zutraue, die Kilometerumfänge eines Marathontrainings zu absolvieren, ohne befürchten zu müssen, dass die Laufhaltung wieder schlechter wird.

Das Laufen ist für mich ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden und ich möchte es nicht vermissen. Dabei kann ich abschalten und komme deshalb immer – jedenfalls im Kopf – entspannt vom Training zurück. Ein Effekt, der sich auch auf alle anderen Bereiche meines Lebens positiv auswirkt.

pic. ©ulrichscherbaum.de

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